Wir müssen das Klima in unseren Herzen verändern


Ein Herz, in dem ein Gewitter wütet - umgeben von einer MauerDas Klima wandelt sich und ich rede jetzt nicht von Außentemperaturen und Unwettern, ich rede vom Klima in unseren Herzen. Vieles wird bewusst – und das ist gut so. Manches frustriert, macht sogar wütend und dennoch, nein gerade deshalb, sollten wir auf unsere Herzen achten, denn das Klima in unseren Herzen wird Zusehens rauer!

„Hoffentlich ist bald der Mensch dran. Die schlimmste Bedrohung unseres Planeten wächst zu rasant an",

so ein Kommentar auf einen geteilten Beitrag über aktuelles Amphibiensterben. Wirklich? Denken wir inzwischen so? Wurde aus der Liebe zur Natur ein Hass auf Menschen? Und wenn ja, sieht man sich dann selbst außerhalb der Menschheit stehen? Sind nur die anderen die Bösen? Wenn nicht, dann hätte ein solcher Gedanke, der Milliarden von Menschen – Männern, Frauen, Kindern, den Lesern dieser Zeilen und letztlich auch mir – den Tod wünscht, doch letztlich die Konsequenz, dass man „mit gutem Beispiel voran gehen sollte". Oder sind das alles nur gedankenlose Sprüche, die aus einem verhärtetem Herzen stammen, das sich abgekoppelt fühlt von der Menschengemeinschaft und der Natur?

Keine Macht den Kindern

Die Art und Weise wie über die aufbegehrenden Kinder der „Fridays for Future"- Bewegung gesprochen wird, ist dafür symptomatisch. Nicht, dass wir uns falsch verstehen, natürlich darf und soll man über den – äußeren – Klimawandel diskutieren; natürlich darf man hinterfragen, wieviele Geschäftsinteressen hinter der Reduktion des Klimawandels auf CO2 stecken und ob das Aufspringen der Elektroauto-Industrie, deren Bedarf an Lithium unglaubliche Naturschäden anrichtet, auf den Klimawandel-Protest-Zug wirklich auf einer Zuwendung zur Erde oder auf einer Zuwendung zum Geld beruht. Aber wenn wir beginnen, Bilder von Plastikmüll auf Straßen ins Netz zu stellen und zu behaupten, diese stammen von einer Fridays-for-Future-Demo, obgleich sie tatsächlich von einer Techno-Parade oder Abiturientenfeier teilweise viele Jahre zuvor stammen, dann ist das eine Lüge, die lediglich dazu dient, andere klein und sich selbst groß zu machen. Es sind Kampfparolen, keine Argumente.
Nicht, dass es umgekehrt anders wäre. Ein Gruppenmoderator beendete eine Diskussion über den Klimawandel mit den Worten: „Jeder, der den Klimawandel leugnet, ist für mich gleichbedeutend mit einem Holocaust-Leugner!" Abwertungen und Parolen auf beiden Seiten.

Wir haben es bei der Fridays-for-Future-Bewegung mit der jüngsten Protestbewegung seit Beginn der Demokratie im deutschsprachigen Raum zu tun. Ja, viele Forderungen mögen naiv sein. Es sind Kinder, Kinder haben alles Recht der Naivität (Kindlichkeit)! Ihre Handlungen mögen auch nicht in allen Bereichen konsequent sein, doch sind es denn unsere? Welchen Nerv treffen diese Kinder, dass wir Lügen auffahren müssen und unserem Kopfkino („Sicher hat jedes der Kinder ein Handy!", „Mit dem SUV zur Demo gefahren werden und dann für das Klima protestieren!") freien Lauf lassen, ohne auch nur einmal die Botschaft an uns heranzulassen?: Es muss sich was ändern! Jetzt!
Es spielt dabei keine Rolle, ob Einzelelemente (Wieviel Anteil hat der menschengemachte CO2-Ausstoß am Klimawandel?) zutreffen oder nicht. Der Mensch verändert das Klima und die Umwelt. Die Verkarstungen im Mittelmeerraum stammen von Abholzungen für Schiffsbau und Industrie (teilweise aus der Antike), die englische Parklandschaft ist Folge der Schafüberweidung (beginnend im späten Mittelalter) und jede Minute werden aktuell 42 Fußballfelder Regenwald am Amazonas abgeholzt... All das hat Rückwirkungen auf den Tier- und Pflanzenbestand, auf das Meso- und letztlich das Makroklima.

„Du Schlafschaf!"

Wir müssen was ändern, aber das wollen wir nicht. Lieber beschimpfen wir alle anderen als „Schlafschafe" und machen uns zum „Erwachten", der alle Lügen durchschaut. Ich kann nicht von mir behaupten, alle Lügen zu durchschauen, können Sie's? Sind wir wieder so sehr im Besitz der absoluten Wahrheit, dass wir mit inquisitorischem Eifer über alle richten, die anders denken? Bedienen wir uns der „frommen Lüge" weil sie uns dienlich ist? Wer die Artikel dieser Seite oder meine Vorträge kennt, weiß dass ich der Hochfrequenz des Mobilfunks sehr ablehnend gegenüberstehe. Dennoch ist es einfach pure Spekulation, dass Vögel durch ein 5-G-Experiment in Den Haag tot zu Boden fielen (seltsamerweise alle der gleichen Art), oder dass Bäume in Massen gefällt werden für 5-G. "Sie ignorieren, was offensichtlich ist! Sie werden wohl von der Mobilfunkindustrie bezahlt!" Bilder haben eine machtvolle Kraft in unserem Kopf. Ein Bild und eine Überschrift reichen meist, um eine Wirklichkeitsverknüpfung herzustellen. Und vielleicht liege ich ja falsch und die beiden genannten Ereignisse stehen tatsächlich in Verbindung mit 5G?! Aber ist das ein Grund, andere abzuwerten?

Wenn wir solche, in uns verknüpften Wirklichkeiten zur absoluten Wahrheit erheben und diese über unser Herz, über unsere Menschlichkeit stellen, dann hat der Klimawandel in unseren Herzen bereits sein tödliches Ausmaß erreicht, denn es bleibt als Steigerung nur noch der physische Konflikt.

Hoffnungsloser Optimismus

Ja, ich gestehe, ich bin ein „hoffnungsloser Optimist"! Ich glaube, wir können uns ändern. Ich glaube, niemand ist perfekt und in jeder Handlung absolut konsistent. Allein, die Absicht, etwas ändern zu wollen, hat m.E. bereits riesige Auswirkungen auf das Seelengewebe der Erde und dem Menschheitskollektiv, auch wenn wir nach der Demo für die Erde in McDonalds gehen, auch, wenn wir Fleisch essen, auch wenn....
Jeder kann, soll, ja muss weiter an sich arbeiten, um eine solche Änderung im Großen zu bewirken. Ja, da geht immer noch ein bisschen mehr....

Verlieren wir aber unser Herz, ist die Welt verloren.

 

 

Bild © Stefan Brönnle


Kommentare (3)

  1. Simone Roob:
    10.04.2019 13:32

    Danke für Deinen Beitrag. Der Klimawandel hat in unseren Herzen begonnen und zeigt sich nun im Außen. Um nicht zu verzweifeln kann man nur zur Ursache zurückkehren und in sich selbst etwas ändern, kleine Schritte, kleine Taten, jeden Tag, mit Liebe, mit dem Herzen. Manchmal reicht schon ein Unterlassen, nämlich die WERTUNG von Handlungen oder Situationen , ohne sie wirklich zu kennen. Egal wie klein der Beitrag in diese Richtung ist - die Absicht zählt. Ich bleibe Optimist.

  2. claudia:
    15.04.2019 20:04

    Danke Stefan, für diesen wunderbar auf den Punkt gebrachten Artikel, der mich sehr stimmig berührt. C.

  3. Eva:
    25.04.2019 18:53

    Lieber Stefan, Du schreibst mir aus dem HERZEN. Ich bin mein eigenes Abwerten und Verurteilen leid, ich bin den Kampf mit meiner pubertäten Tochter leid, ich möchte gerne anders leben- aber weiss nicht, wie. So kann ich doch nur im Kleinen anfangen und Dinge weglassen: das Schimpfen lassen, wenn mein Kind die Schule schwänzt; Einkaufsfahrten lassen und zum Markt gehen; den Coffee-to-go- weglassen, wenn ich meinen eigenen Becher nicht dabei habe; die Geschäftsreisen mit dem Flugzeug durch die Bahn ersetzen und genüßlich in der geschenkten Zeit ein Buch lesen- welches ich mir ausgeliehen habe. USW. Weniger tun, mehr weglassen- ich fühle mich leichter damit, auch wenn ich meinen eigenen Ansprüchen noch lange nicht genüge. Mein Anspruch ist, Vorbild zu sein,vor allen meinen Kindern gegenüber- um dann doch wieder in meine Programme zu verfallen. Dann sage ich mir auch mit etwas Abstand: die Absicht zählt, der Wille, der gute und liebevolle Gedanke. Vergeben wir uns und Anderen. Und was ich nicht vergessen möchte: unsere Meditationen und Visualisierungen! Die zählen mit Sicherheit auch!

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