Christus als Erdengeist


Fresko Remigiuskirche Falera. Christus mit quadratischer AureoleDie bronzezeitliche Kultanlage auf dem Muota in Falera/Graubünden birgt auch eine im Kern romanische Kirche: Die Remigiuskirche. Sie zeigt eine außergewöhnliche Christusdarstellung, die vielen entgeht, die nicht mit Symbolik und Ikonografie vertraut sind:

Gewöhnlicherweise wird Christus mit einer dreistrahligen Aureole abgebildet. Der Dreistrahl ist ein Symbol der göttlichen Dreifaltigkeit. Im die ganze Nordwand der Kirche einnehmenden Fresko des letzten Abendmahls aber ist Christus nicht mit einem derartigen Dreistrahl verbunden. Auch zeigt sein Haupt keinen gewöhnlichen runden Heiligenschein wie bei seinen abgebildeten Jüngern (im Bild Johannes). Der Schein des Christus von Falera ist quadratisch!

Dies ist eine absolut außergewöhnliche Darstellung, die entweder als Sakrileg, als Ignoranz, oder als kryptische Wiedergabe einer esoterischen Botschaft verstanden werden muss. Das Quadrat ist ein Symbol der Materie und der Erde. Christus mit einem quadratischen Heiligenschein abzubilden, zeugt deshalb von großer Dummheit (also der Ignoranz der zugrundeligenden Symbolik der Formen) oder im Gegenteil von tiefem Wissen.

Um Irrtümern vorzubeugen: Hier geht es nicht um Jesus, die Persona, den Menschen, es geht um den Christusimpuls. Der Christusimpuls ist ein Bewusstseinsimpuls, der in der Symbolik der Sonne verankert ist. Mythologisch erscheint Christus als sogenannter Sonnenheros, also als eine mythologische Gestalt, die die Sonne widerspiegelt. In der christlichen Eucharistie ist dies bis heute offenbar. Hier - in mitten einer 3000 Jahre alten megalithischen Anlage aber – ist nun dieser Sonnen-Bewusstseinsimpuls mit quadratischer Aureole abgebildet. Sonnen-Bewusstsein und Erdenbewusstsein werden also als identisch abgebildet. Diese Lehre, dass Christus den Erdengeist repräsentiert, wurde in der Theosophie und explizit in der anthroposophischen Lehre Rudolf Steiners vertreten:

Der Christus ist der Erdengeist, und die Erde ist sein Leib. Alles, was auf der Erde lebt und sprießt und wächst, das ist der Christus. Er ist in all den Samenkörnern, in all den Bäumen und in allem, was auf der Erde wächst und sprießt. Darum musste Christus hindeuten auf das Brot und sprechen: «Das ist mein Leib.» Und von dem Saft der Weintrauben - beim Abendmahl handelte es sich nicht um einen schon gegorenen Wein - musste er sagen: «Dies ist mein Blut», denn der Saft der Früchte der Erde ist sein Blut. Die Menschheit muss ihm darum auch erscheinen wie Wesenheiten, die auf seinem Leibe umhergehen. Darum sprach er auch zu seinen Jüngern nach der Fußwaschung: «Der mein Brot isset, der tritt mich mit Füßen.» Dieser Ausspruch ist wörtlich zu nehmen in dem Sinne, dass die Erde der Leib des Christus ist." (Rudolf Steiner in „Das Mysterium von Golgatha")

Unabhängig von theologischen Auslegungen der Kirche spiegelt eine solche Weltsicht eine im Kern zutiefst schamanische Philosophie wieder: Die Erde ist göttlich, sie ist durchdrungen von einem Bewusstseinsimpuls, ein göttliches Wesen, dessen physischer Körper die materielle Erde ist. Die Abbildung des Christus mit quadratischer Aureole nimmt auf diese Lehre unmittelbaren Bezug, obwohl es wohl die wenigsten Besucher der Remigiuskirche erkennen dürften.

Bild © Stefan Brönnle


Kommentare (4)

  1. Cornelia Blume:
    11.09.2017 16:12

    Sehr einleuchtend, auch wenn ich mir die Erde bisher immer als mütterliches, also weibliches Wesen vorgestellt habe. Aber im geistigen Reich ist halt das Geschlecht wohl nicht so wichtig (hihi).
    Ignoranz kann hier nicht vorliegen, denn wer nichts weiß, hält sich an Vorbilder.

  2. Ursula Müller:
    11.09.2017 21:59

    Die Erde ist schon weiblich: Mater - Erdenmutter - aber ohne den Christusgeist wäre sie nicht fruchtbar.

  3. Katja Elsner:
    17.09.2017 15:06

    Es ist eine Raute !Als Runenzeichen (INGWAZ ) bedeutet eine Raute " Gott "und sich wieder mit dem göttlichen Kern in uns zu verbinden . Die Raute ist im Oktaeder enthalten ,( Sonne - Mond Kult ) , Verbindung aus Geist und Intuition . Der Mond zeichnet durch seinen fortschreitenden , überkreuzenden Gang die Raute an den Himmel. Sie symbolisiert die Einweihung in das geistige Prinzip .

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