In den alten mythischen Vorstellungen, wie z. B. auch der Kabbala, ist der Himmel aufgebaut aus verschiedenen Sphären. Die äußerste Sphäre ist dabei der Fixsternhimmel, der gleichsam bewacht wird von den Sternen der vier Sternbilder Stier, Löwe, Skorpion (Adler) und Wassermann. Hinter dieser Sphäre wohnt das Licht Gottes. Die Fixsterne sind dabei wie Löcher im dunklen Himmelszelt gedacht, durch die das Licht Gottes strahlt, wobei aber jeder Stern dem Licht Gottes einen individuellen Charakter verleiht, gleichsam wie ein Frequenzfilter.
Jeder Mensch besitzt einen innersten göttlichen Funken, so der Mythos, der durch einen dieser Sterne geprägt sei. Der jeweilige Stern stellt sozusagen die Ur-Seelen-Heimat des Menschen dar.
Der Engel Kokabiel hatte die Aufgabe inne, die Sterne und ihre Bewegungen gleichsam zu überwachen (da Engel im engeren Sinne keine individuellen Wesen sind, stellt dabei Kokabiel gleichsam die Bewusstseinskraft der Sternenbewegung, oder – im Falle der Fixsterne – der Lichtbewegung zur Erde hin dar). Diese Verbindung zwischen Kokabiel und Licht unterstreicht die Rolle des Engels als Quelle der Inspiration und Führung für die Menschheit. In verschiedenen Traditionen wird Kokabiel als Beschützer derer angesehen, die Wissen und Erleuchtung suchen.
Kokabiel offenbarte nun den Menschen „die Zeichen der Sterne“. Dies betont seine Rolle als wohlwollender Vermittler zwischen dem Göttlichen und dem irdischen Reich und konzentriert sich auf die geordnete Offenbarung himmlischer Weisheit.
In der Offenbarung der herabgestiegenen Engel zeigt Kokabiel Dir diese Deine Sternen-Seelenheimat und unterstützt Dich auf Deiner spirituellen Reise dorthin. Doch diese Offenbarung ist für unseren Verstand nicht immer ganz einfach zu verstehen. Ich möchte dies an meinem eigenen Prozess verdeutlichen:
Während der Offenbarung Kokabiels bekam ich ein Wort: „Masʿūd“ sowie das Gefühl, dass der Stern mit der Himmelsrichtung Nordosten verbunden sei. Übereifrig dachte ich, dass dies der Stern meiner Seelenheimat sei – und irgendwie war er das ja auch. Mit dem Wort verbunden war ein intensives Gefühl des Zuhauseseins, des Verstandenseins. Offensichtlich klingt das Wort arabisch, was nicht verwunderlich ist, es bedeutet tatsächlich als Adjektiv „gesegnet“, bzw. als Substantiv „der Gesegnete“. Da die arabische Kultur in früher Zeit ein hohes astronomisches Wissen innehatte, hoffte ich einen Stern identifizieren zu können. Doch leider gibt es keinen konkreten Stern, der „Masʿūd“ heißt. Es gibt eine astronomische Enzyklopädie Al-Qānūn al-Masʿūdī (Der Masʿūdische Kanon), das unzählige Sterne auflistet, doch welcher davon war gemeint?
Daher musste ich einen Umweg gehen, um „meinen“ Stern zu identifizieren. Das Adjektiv mas'ūd (arabisch für „glücklich“, „gesegnet“ oder „begünstigt“) wird in der traditionellen arabischen Fixsternastrologie sehr gezielt eingesetzt. Es ist die Wurzel vieler Sternennamen, die Reichtum, Glück und Segen verheißen. Daher bleib mir nichts anderes übrig, als mir einen nach dem anderen zu erschließen. Und schließlich „fand“ ich ihn. Er wird im arabischen offiziell „Sadalsuud“ genannt, „das größte Glück der Glücklichen“, und eben mit dem Adjektiv masʿūd (gesegnet, begünstig) beschrieben. In der offiziellen astronomischen Nomenklatur heisst er trocken Beta Aquarii, also der zweite Stern im Sternbild Wassermann. Der heliakische Aufgang dieses Sterns markierte in der arabischen Welt den Beginn der Regenzeit. In vielen antiken Agrarkulturen des Nahen Ostens wurden lebensspendende Winde und Regenfronten mit der nordöstlichen Himmelsrichtung assoziiert. Ich hatte ihn gefunden und meine Fokussierung auf den Stern ließ sofort wieder jenes Gefühl der Seelenheimat in mir erklingen. Interessant ist, dass auch im Raumhoroskop der Wassermann im Nordosten steht. In der antiken Welt (ägyptisch, persisch, arabisch) war das Erscheinen des Sterns eng mit dem Ende des Winters verknüpft. Wenn die Sonne in die Region von Sadalsuud wanderte, begann die Zeit des sanften, lebensspendenden Regens. Dieser „Segen“ war für die Landwirtschaft essenziell und wurde daher als das höchste Glück angesehen.
In der arabischen Astronomie gehört Sadalsuud zur 22. Mondstation (Manzil). Sein heliakischer Aufgang markierte den Start der Regenzeit, während sein Untergang das Ende der Monsun-Phase signalisierte.
Astrologisch befindet sich Sadalsuud bei 23° 13' im Wassermann und meine Geburtssonne steht in einem nahen Orbis von 4 Grad zu diesem Fixstern. Die Fixsternastrologie schreibt zu einer solchen Verbindung: „Die Nähe deiner Sonne zu Sadalsuud verleiht dir laut traditioneller Deutung oft einen „Schutzengel-Effekt“. Auch in schwierigen Situationen scheint sich für dich oft eine unerwartete Tür zu öffnen. Da Sadalsuud die Natur von Merkur und Saturn hat, verbindest du wahrscheinlich originelle Ideen mit der nötigen Disziplin, um sie auch umzusetzen“.
So war letztlich nicht nur die Offenbarung Kokabiels ein Geschenk für mich, sondern gerade auch die „Reise“ zur Identifikation meines Seelensterns. Vieles trat in Verbindung miteinander: Der „Name“ (der sich als Eigenschaft herausstellte), die gefühlte Himmelsrichtung und die innere Seelenausrichtung in meinem Leben.
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