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Die Macht des Haares

01. Feb. 2021 | Von: Stefan Brönnle | Kategorien: Mythen, Symbole, Rituale | 3 Kommentare

Frau mit langen roten Haaren

Das Haupthaar des Menschen hat sich schon längst über die schlichte Wärmefunktion des Säugetierfells erhoben. Die langen Hornfäden, die überwiegend aus Keratin bestehen, sind ein Symbol des Standes, der Kraft, der Erotik und der Spiritualität. Ein in Südmähren gefundener geschnitzter Frauenkopf aus Mammutelfenbein mit einem Alter von rund 27.000 Jahren im Naturhistorischen Museum London zeigt eine Frau mit hochgesteckter Frisur, weitab vom Bild einer zotteligen Steinzeitfrau.

Zahllose Sprichworte spiegeln die Symbolik des Haares wider: Wir geraten uns in die Haare, betreiben Haarspalterei, ziehen etwas an den Haaren herbei oder haben gar Haare auf den Zähnen. Wir bekommen graue Haare, raufen uns die Haare oder sie stehen uns zu Berge, gelegentlich finden wir auch ein Haar in der Suppe, usf.

Symbol der Kraft

Mit am bekanntesten ist wohl Samson (hebräisch שִׁמְשׁוֹן Shimshōn), jener Held aus dem jüdischen Talmud, der dem griechischen Herkules ähnliche Kräfte besaß. Wie ein Engel seinen Eltern verkündet hatte, lag seine übermenschliche Macht in dem Geheimnis, sich nicht den Bart und das Haupthaar schneiden zu dürfen. Wenn man bedenkt, dass rechnerisch das Haupthaar im ganzen Leben ca. 530 Km wächst, muss Samson, der Löwen besiegte und 1000 Philister alleine bezwang, eine gigantische Haarpracht besessen haben. Doch seine Geliebte Dalila schnitt ihm das Haar im Schlaf und raubte ihm so die Kraft! (Richter 16)

Symbol der Göttlichkeit

Die Kraft, die Gott Samson verliehen hatte, steckte also quasi als göttliche Gabe in seinem Haar. Natürlich ist es auch bei den Göttern selbst ein Symbol ihrer Göttlichkeit. Apoll wurde auch als Apollon Chrysokomas (griechisch Χρυσοκόμας, „der Goldhaarige") verehrt. So schreibt z.B. der Elegiendichter Tyrtaios im 7. Jh. v. Chr: „So hat der Goldgelockte, der Gott mit dem silbernen Bogen, Phoibos Apoll in der reich prunkenden Halle verfügt....." Auch Dionysos wird bei Hesiod als Chrysokomas, als goldgelockt, beschrieben, ebenso wie Eros oder Helios.

In der buddhistischen Mythologie vertreibt die Göttin Erde die Dämonen von Buddha, indem sie aus ihren langen Haaren einen ganzen Ozean spritzen lässt. Analog bestehen die Haare der Gorgo Medusa aus Schlangen. In der nordischen Mythologie hatte Thors Frau Sif so langes Haar, dass es ihr bis zu den Füßen fiel. Doch der Trickster Loki schnitt sie ab und floh mit dem Haar. Thor bebte vor Zorn, so dass Loki seine Rache fürchtete. Er reiste zu den Zwergen und bat in Smifhelm um Hilfe. Die Zwerge verwebten darauf das gestohlene Haar mit echtem Gold und so erhielt Sif ihr Haar zurück - glänzender und länger als zuvor.

Symbol der Spiritualität

Mit Kraft und Göttlichkeit verbunden, wird das Haar auch für den Menschen zu einem Symbol der Spiritualität, zu einer Kraft, die Antennen gleich, die geistigen und kosmischen Kräfte leitet. Die Indigenen Noramerikas, vornehmlich in Colorado, New Mexico und Arizona vertreten die Auffassung, dass die Gedanken des Menschen sich durch das Haar Luft verschaffen und so in die Welt wirken. Die jüngsten Gedanken sind dem Kopf näher und die alten sind an den Haarspitzen zu finden.
Auch die spirituelle Macht der Merowinger-Herrscher war in ihren Haaren verortet bis Childerich III. im 8. Jahrhundert öffentlich geschoren wurde. Mit dem Verlust der Haare verlor auch das Merowingergeschlecht seine Macht und göttliche Befugnis.
Im Märchen sitzt Rapunzel in einem Turm, einer Weltenachse. Die Verbindung zur Erde ist ihr langes Haar, das gleichsam als Himmelsleiter fungiert.

Das Scheren und der Schnitt

Angesichts einer solchen Bedeutungstiefe des Haupthaares, ist natürlich auch der Schnitt- wie schon bei Samson, Sif und den Merowingern gesehen - ein tiefsymbolischer Akt. So gibt es den Brauch, die Haarsträhne eines geliebten Menschen bei sich zu tragen oder einem Verstorbenen eine eigene Locke ins Grab zu werfen. Man verbindet sich gleichsam wechselseitig mit einem Teil seiner Seelenessenz.
Mönche opfern ihr Haar als Zeichen der Demut und der Unterwerfung, aber auch, um sich von den körperlich-sexuellen Trieben zu befreien. Nicht umsonst ist die Locke auch gleichbedeutend mit der Verlockung. Die Opferung des Haares stellt also gleichsam den Verzicht auf die eigene erotische Kraft dar.

Die Seleukidische Königin Berenice II. von Ägypten opferte um 243 v. Chr ihr Haar der Göttin Aphrodite, damit diese ihren Mann im syrischen Krieg beschützte. Die Göttin nahm die Opfergabe an, verwandelte das Haar in Sterne und setzte das Sternbild "Coma Berenices" an den Nordhimmel.
Insbesondere bei Schwellenübergängen wie Adoleszenz, Hochzeit oder Tod, wurden im Brauchtum mannigfaltig auch Haare geopfert. Der Schwellenübertritt in einen neuen Lebensabschnitt ist ein heikler Moment, bei dem man durch das Opfer eines Teils seines Selbst die höheren Mächte um Schutz bittet. Das Haar getaufter Kinder wird oft heute noch vielerorts als Weihegabe auf den Altar gelegt. Andererseits ist der Schnitt, die neue Frisur, eben auch ein Symbol der Selbstveränderung.

Angesichts einer solchen Macht, die im Haar steckt, können wir durchaus unsere Vermutungen anstellen, was es kollektiv bedeutet, wenn durch den LOCK-down in einer Zeit des kollektiven Schwellenübertritts, der zweifelsohne geschieht, es den Menschen sogar versagt wird, sich die Haare schneiden zu lassen?! Wird hier unbewusst gar eine verstärkte spirituelle Verbindung unterstützt? Wird sich dies in einem verstärkten Selbstbewusstsein des Volkes schließlich Bahn brechen? Und wem werden die Haare geopfert, wenn die Friseure wieder offen sind?

So oder so befinden wir uns in einem gewaltigen kollektiven Ritual...

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Bild © Subbotina Anna/shutterstock

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Kommentare

Ulrike FranzeUlrike Franze

Ohne jetzt Haarspalterei betreiben zu wollen, würde mich interessieren,wie ihr darauf kommt, dass "das Haupthaar im gesamten Leben 530 km wächst". Bezieht sich diese Zahl auf alle Haarfollikel?

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