Gier frisst Leben: Warum der Hambacher Wald viel mehr ist als ein Klimasymbol


Schatten eines gewaltigen BraunkohlebaggersAktuell erleben wir, wie die Gier die Erde frisst und unser Leben gefährdet. Im Hambacher Wald bemühen sich Umweltschützer darum, einen der ältesten und intaktesten Mischwaldbestände in Deutschland vor der Rodung zu bewahren. Der Energieriese RWE möchte – zeitgleich zur Tagung der Kohlekommission, die einen Ausstieg aus der Kohle als Energielieferant bis 2038 (beginnend in eineinhalb Jahren) beschloss – das Ökosystem roden, um an die darunter liegende Braunkohle zu kommen.

Es geht bei diesem Kampf um weit mehr als Klimaziele, auch wenn dieses Schlagwort momentan die Schlagzeilen dominiert. Durch die Rodung des Hambacher Waldes wird wie bereits erwähnt, ein intaktes Ökosystem zerstört. Damit Fledermäuse (gehörig zu den bedrohten Tierarten) nicht in Baumhöhlen nisten können, wurden die Baumhöhlen mit Folie verklebt oder die entsprechenden Bäume gefällt. Tiere und Pflanzen werden der Gier geopfert, um der Erde Rohstoffe zu entreißen, die längst als eines der größten Umweltprobleme erkannt sind: Braunkohle.

Luftbild Tageabbaugebiet Hambacher WaldDer Braunkohle-Tageabbau hinterlässt gigantische Löcher in der Erde, aus denen jegliches Leben getilgt wurde. Es ist, als würde man ein riesiges Stück Fleisch unmittelbar aus dem Körper schneiden. Um dies durchführen zu können, wird der Grundwasserspiegel um hunderte von Metern gesenkt, was katastrophale Auswirkungen auf Pflanzen und Tiere in einem Umkreis von 3000 Quadratkilometern (!) hat.

Die verbrannte Braunkohle, aus der letztlich über eine bessere Dampfmaschine Strom gewonnen wird, setzt Tonnen an Stickoxiden, Schwefeldioxiden und Feinstaub in die Luft frei. Der so produzierte Strom wird über hunderte Kilometer über Freileitungen transportiert, wobei es zu starken elektrischen und magnetischen Feldern kommt, die Mensch und Natur weiter schädigen und bis zu 15% der gewonnenen Energie wieder verloren gehen.

Das Ritual der Zerstörung - und des Schutzes

Der über 12.000 Jahre alte Hambacher Wald ist faktisch damit ein Opfer an die Gier, die Maßlosigkeit und Rücksichtslosigkeit. Er ist somit vor allem ein rituelles Symbol.
Während die Presse oft nur Klimaziele skandiert, muss erkennbar sein, dass mit der Zerstörung des Waldes letztlich ein gewaltiges Ritual gegen die Erde als lebendiges Wesen vollzogen wird. Der Widerstand gegen die Rodung des Waldes, gegen den mit einem gigantischen Polizeiaufgebot vorgegangen wird, ähnelt dem Widerstand der Sioux-Indianer in Standing Rock (Dakota), die sich über Monate gegen den Bau einer Ölpipeline durch heiliges Land zur Wehr setzten.

Auch der Hambacher Wald ist heiliges Land. Er ist heiliges Land von Mutter Erde. Der heilige Arnold von Arnoldsweiler (ein Barde) hat der Legende nach den seit der Steinzeit besiedelten Wald im 8. Jahrhundert rituell umritten und damit einen Sakralraum geschaffen, der ihm von Karl dem Großen geschenkt wurde. Er widmete diesen als Allmende den umliegenden Gemeinden, in denen große Armut herrschte - und Gottes Natur. Der Wald wurde fortan Bürgewald genannt (er selbst nennt ihn "Wald Gottes"). Dies leitet sich ab vom altsächsischen Begriff borgian, was so viel wie behüten bedeutet. Der Hambacher Wald ist damit ebenso heiliges Gebiet wie Standing Rock. Das Bemühen um seinen Erhalt ist ein ebenso wichtiges Ritual wie auf der „dunklen Seite" dessen Zerstörung. Denn niemand kann behaupten, die Zerstörung des heiligen Naturreservates sei für die Menschen, oder auch nur die Energieversorgung „überlebenswichtig". Die Zerstörung dient einzig und allein der Machtdemonstration und der Gier. Sie ist ein buchstäblich blutiges Opfer an jene Kräfte, die sich der Lebendigkeit von Mutter Erde entgegenstellen.

Darum ist es wichtig, sich für den Erhalt des Waldes einzusetzen!

  • Unterzeichne den Appell gegen die Zerstörung des Waldes (aktuell haben fast eine halbe Million Menschen den Appell unterzeichnet): CAMPACT
  • Schreib an RWE oder rufe dort an und wende Dich höflich aber sehr bestimmt, gegen die Zerstörung des Waldes (RWE wirbt auf seiner Website mit der Nachhaltigkeit der Energiegewinnung!): RWE
  • Wenn Du von RWE Deinen Strom beziehst, wechsle unverzüglich zu einem ökologischen Stromanbieter. Mach Dich nicht mitschuldig. Stromanbieter
  • Wende Dich mit Telefonanrufen und Mails an die Bundesumweltministerin Svenja Schulze und mache Deinen Protest offenkundig: Bundesumweltministerium
  • Besuche, wenn Du in der Nähe lebst, den Hambacher Wald und solidarisiere Dich mit seinen Schützern. Auch positive Rituale sollten dabei zur Anwendung kommen: Stell Dir z.B. vor, wie jeder Deiner Schritte im Wald das Land segnet und weiht. Halte diese rituelle Aufmerksamkeit!

Werde aktiv!

 

 

Foto Braunkohlebagger© mitifoto/fotolia.com
Luftbild Tagebau: Googlemaps


Kommentare (3)

  1. Marianne Delantonio:
    17.09.2018 16:05

    Es ist ein riesen Verbrechen an Mutter Erde was da vollzogen werden soll

  2. Roswitha Strobl:
    17.09.2018 20:51

    Wir die ältere Generation von Österreich erinnern uns an die Polizeieinsätze 1970 gegen den Kraftwerksbau in Hainburg. Ich war dabei.Damals sollte auch großräumig Wald gerodet werden Heute haben wir einen Nationalpark an Stelle des Wasserkraftwerkes. Auch die Demos gegen das Atomkraftwerk Zwentendorf waren erfolgreich. Ich danke, denen die Mut haben sich gegen zu stellen. http://www.erinnerungsort.at/thema7/u_thema3.htm

  3. claudia:
    18.09.2018 16:36

    Lieber Stefan Brönnle! Danke für den Text. Ich habe mir erlaubt den Link mit meinen ergänzenden Worten als Handlung an RWE und Regierung, aber auch auf meinen Wordpress Seiten weiterzugeben zum reagieren.
    http://wwwoculiauris.wordpress.com und http://www.pestizidfreieregion.wordpress.com und auf entsprechende Foren von mir dieser Seiten.

    Hier der Text, den vielleicht persönlich gestaltet und individualisiert einige andere Herzensmenschen hier auch benutzen möchten und dürfen:

    Einfach mal nachlesen und menschlich SOFORT reagieren:
Es wäre sehr schön, wenn Sie persönlich als Mensch, aber auch ihre Abteilungen als RWE Konzern/Regierung diese Zeilen einfach einmal neutral durchlesen und sich selbst von diesen Erklärungen und Worten ein Bild machen.
Noch besser:
Etwas als Menschen mit Verantwortung mit uns Menschen mit Verantwortung im Namen der RWE/Regierung nachhaltig sinnvoll und Lebensraum schützend handelnd unternehmen!
Hier der Herzenstext von Stefan Brönnle. Hier geht es um keine Macht, Begierden oder Richtungen und Strömungen, hier geht es um Leben, um Organismen, um funktionierende Naturkreisläufe, die immer weniger vorkommen!
Text als Link:
https://www.inana.info/blog/2018/09/17/gier-frisst-leben.html
ICH ZÄHLE AUF DICH/SIE/Dein Herz und Deinen Verstand, nicht aber auf Dein Amt mit seinen scheinbaren Pflichten, die hier schlicht existenziell langfristig für uns alle tötlich sind!
Mit freundlichen Grüßen aus Nordhessen,
Claudia Weidt-Goldmann
Gründerin und Repräsentantin
PESTIZIDFREIE REGION
    http://www.pestizidfreieregion.wordpress.comhttp://www.oculiauris.wordpress.comhttp://www.cwghortus.wordpress.com

    PS:

    BÄUME - LEBENDE ORGANISMEN WIE DU UND ICH, NUR FÜR UNS ANDERS AUSSEHEND UND ZEITLICH ANDERS GETAKTET, ABER SICHER KLÜGER ALS WIR ALLE ZUSAMMEN, DENN BÄUME ZERSTÖREN NICHT IHRE LEBENSRÄUME UND LEBENSGRUNDLAGEN!

    Eine gute Zeit!

    C.


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