Vegvisir


Vergvisir vor GewitterhimmelDas Vegvísir – auch Wikingerkompass genannt – ist ein nordisches Symbol, das heutzutage wieder häufig Anwendung findet. Vegvisir bedeutet „Wegweiser".

Historischer Bezug

Im Grunde handelt es sich beim Vegvísir um ein klassisches magisches Symbol, um eine sogenannte Sigille, die auf isländisch Galdrastafur genannt werden. Das Symbol geht zurück auf das Huld-Manuskript  aus dem 19. Jahrhundert. Das Huldmanuskript ist eine Sammlung magischer Sigillen, das neben dem jeweils eigentlichen magischen Symbol nur eine kurze Erklärung des Nutzens setzt. Zum Vegvísir wird ausgeführt: "Wenn dieses Zeichen getragen wird, wird man sich niemals in Stürmen oder schlechtem Wetter verlieren, selbst wenn der Weg nicht bekannt ist."

Es ist anzunehmen, dass sich dies nicht ausschließlich auf Witterungsbedingungen bezieht, sondern – und so wird es heute meist auch eingesetzt – das Vegvísir letztlich einen „Führer durchs Leben" darstellt.

Vegvisir OriginalDa das Huld-Manuskript achthundert Jahre nach der Wikinger-Ära geschrieben wurde, kann man nicht von einem ausschließlich vorchristlichen Bezug ausgehen. Vielmehr handelt es sich um einen durch die nordischeMythologie beeinflusstes Symbol der Ritualmagie. Allerdings konnte für einige der Symbole des Huldmanuskripts eine Nutzung in vorchristlicher Zeit belegt werden. Ob dies auch für das Vegvísir zutrifft, ist umstritten.
Da die einzige überzeugende Quelle für das heute wieder häufig genutzte Vegvísir das Huld-Manuskript ist, kann über die Bedeutung und den Aufbau des Symbols nur spekuliert werden.

 

 

 

 

Interpretation

Die mit überzeugendsten Interpretationen des Symbols sehen eine Beziehung der acht „Speichen" und der Mitte zu den neun Welten der nordischen Mythologie:

1. Obere Welt: Asgard – Vanaheim – Lichtalfheim
2. Mittlere Welt: Muspilheim – Midgard – Niflheim
3. Untere Welt: Svartalfheim – Jötunheim – Hel

Neuere Darstellungen – wie das Titelbild – zeigen in der Mitte der Sigille einen Kreis. Diese wäre dementsprechend Midgard – der Standort des Sigillenträgers, oder auch das Ich.

Es mag überzeugend sein, letztlich gibt es aber für eine derartige Interpretation keine Belege, außer vielleicht eine innere Erfahrung oder Wahrnehmung. Die Sigille entstand aber mit Sicherheit nicht aus dem Verstand heraus, sondern aufgrund einer rituellen Verbindung – ähnlich wie Kosmogramme erschaffen werden. Die Erzeugung einzelner Speichen-Symbole aus Binderunen (der Verbindung verschiedener existierender Runen zu einem neuen Symbol), werden ebenso diskutiert wie aus dem Ogham-Alphabet (im 4.-6.Jahrhundert genutzt).

 

Das Huld-Manuskript

 

Bild oben © Stefan Brönnle (Grundelemente Anne Mathiasz / Ingo Bartussek @ fotolia)
Original gemeinfrei


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