Magische Berufe – Der Schornsteinfeger


Kaminkehrer umwoben mit EnergiefeldernBerufe sind nicht einfach Jobs. Sie enthalten den „Ruf" - im Mittelalter „vocatio" genannt" - die Evokation. Das Berufensein ist ein magischer Akt, ein Ruf der Götter und so sind viele unserer alten Berufe mit der Magie verbunden....

 

 

Der Schornsteinfeger

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Schornsteinfeger, Kaminkehrer, Rauchfangkehrer,... vielfältig sind die Namen des Berufs. Der Schornsteinfeger bringt Glück, so heisst es. Aber warum? Abgesehen davon war der Beruf gar nicht immer so gerne gesehen. „Wer hat Angst vorm Schwarzen Mann?" heißt ein bekanntes Kinderspiel. Dass es manchmal heute als rassistisch interpretiert wird, zeigt nur wie weit wir uns von unseren Wurzeln entfernt haben, denn gemeint ist in der Tat der Schornsteinfeger! Er gehörte im Mittelalter zu den „unreinen" oder „unehrlichen" Berufen und war somit mit einem Tabu belegt. Uns begegnet erneut die Ambivalenz des Magischen: Geliebt und gefürchtet. Der „Schwarze Mann" ist eine in Deutschland bekannte gefürchtete Schattengestalt, die in die Geisterwelt hineinreicht, ebenso wie der Schornsteinfeger..... Aber der Reihe nach.

Um zu verstehen, was den Beruf des Schornsteinfegers magisch macht und warum er heute im Volksglauben „Glück bringt", müssen wir uns betrachten, wo er sich aufhält: Das Arbeitsgebiet des Schornsteinfegers ist der Kamin, der mit dem Herd, dem Ofen, verbunden ist. Traditionell gab es ursprünglich EINE Feuerstelle und die lag im Zentrum des Hauses. Der Herd war die „heilige Mitte", die mit unserer Wesensmitte identisch ist. Ursprünglich war diese Herdstätte nicht viel mehr als eine Feuerstelle in der Mitte einer Hütte oder Zeltes und der Kamin war eine Öffnung im Dach, durch das der Rauch entweichen konnte. Schamanen verschiedener Traditionen nutzen den aufsteigenden Rauch als axis mundi, als Weltenachse und lassen ihren Geist durch ihn in die Drei Welten (untere, mittlere, obere Welt) tragen, um dort mit den Geistern zu kommunizieren. Der aufsteigende Rauch aus der Hausmitte galt als eine Art Himmelsleiter. Seelen im Haus Verstorbener entflogen durch das „Seelenloch" - ursprünglich die obere Zeltöffnung. Später wurde diese Funktion vom Kamin, vom Schornstein, übernommen. Der Schornstein leitet sich ab vom althochdeutschen „scorrenstein". „Scorren" bedeutet soviel wie „emporragen". Der Kamin, der Schornstein, bildete sozusagen die emporragende Weltenachse. Darum muss der Weihnachtsmann aus der „oberen Welt" sozusagen entlang der Weltenachse, dem Kamin, ins Haus. Auch Kobolde und Hexen entfliehen oder betreten das Haus durch den Schornstein. Der Kamin selbst und der Herd, die Hausmitte, also waren magisch. Hier bewegt sich nun der Kaminkehrer wie der Schamane „zwischen den Welten". Entweder zieht er damit den Zorn der Geister auf sich und bringt Unglück, oder er ist von ihnen gesegnet und bringt damit Glück.

Der heilige Herd

Dass der Herd einst heilig war, zeigen noch vorhandene Rituale und Brauchtümer: Zu Lichtmess z.B. wurden in der Steiermark geweihte Lichtmessfeuer von Haus zu Haus getragen und die normalerweise immer brennenden Herdfeuer damit neu entzündet. Ein Segensritus zum Jahresneubeginn. Andernorts übernimmt das Osterfeuer eine ähnliche Aufgabe: An diesem werden die Feuer im Haus entzündet und somit dem Haus Fruchtbarkeit gebracht.
Bei den Ostslawen gibt es den Hausgeist „domovoi", er ist eine Art genius loci, ein Schutzgeist des Hauses und gleicht damit den römischen Laren. Hauptwohnstätte des domovoi ist der häusliche Herd. Am 28. Januar wird in Rußland bei der „zatnëtka", einer Vertiefung im Ofen, in die die glühenden Kohlen geschüttet werden, dem domovoi ein Topf Grütze hingestellt. Mitunter nimmt der domovoi sogar die Gestalt eines Schornsteinfegers an!


Der Ort der Ahnen

Der domovoi ist in der Tat wie die römischen Laren auch mit den Ahnen verbunden, ja sogar eine Art kollektiver Repräsentant dieser im heimischen Ofen. Wie im Beitrag „Auf den Gräbern unserer Ahnen" dargelegt, war es noch bis ca. 2000 v. Chr. Brauch, die Ahnen unter der häuslichen Herdstelle zu bestatten. Die Ahnen leben sozusagen in dieser Vorstellung im Zentrum des Hauses, in der Feuerstelle, sie war der Sitz der Ahnengeister. Diesen brachte man Speiseopfer dar. In christlicher Zeit wurden daraus sogenannte „Armeseelenopfer", eine Seelenspeisung. In Altbayern rief derjenige, der Speise ins Feuer warf laut aus: „Für dia arma Seela". In der Oberpfalz wurden die Reste eines jeden Essens für die Ahnen, im Christlichen „die armen Seelen", ins Herdfeuer geworfen. Auch Küchlein und Krapfen wurden rituell ins Feuer geworfen.
Der Schornsteinfeger bewegt sich also im Reich der Geister und der Ahnen, wenn er nicht gar selbst für einen solchen gehalten wird wie der „Schwarze Mann". In der Schweiz wird der Samichlaus, der Nikolaus, von einer rußverschmierten Gestalt begleitet, dem „Schmutzli". Er trägt Züge eines heidnischen Poltergeistes, auch wenn er gerne mit „Knecht Ruprecht" aus dem süddeutschen Raum gleichgesetzt wird.


Der magische Ruß

In der heiligen Herdstätte finden wir als Reste des transformierenden und wärmenden Feuers Asche und Ruß. Beide sind magisch. In 2. Mose 9:8 ff spricht Gott zu Moses und Aaron: »Nehmt mit euren beiden Händen Ruß aus einem Ofen. Mose soll ihn vor den Augen des Pharaos in die Luft werfen. Der Ruß wird sich als feiner Staub über ganz Ägypten ausbreiten und an Menschen und Tieren schlimme Hautgeschwüre ausbrechen lassen.« Der Ruß wird hier für einen Fluch, ein magisches Ritual, genutzt, um die Freilassung der Israeliten zu erpressen.
Auch wurden Ruß und Asche als magische Substanz zum Schutz des Hauses vor bösen Geistern eingesetzt. In der Onimantie, einer Wahrsagemethode, wird ein Daumennagel mit einer Mischung aus Ruß und Öl bestrichen. Im Sonnenlicht oder dem Licht einer Kerze gibt es Reflexionen auf dem dunklen Nagel. Das Medium fokussiert den Blick auf die sich im Ruß reflektierenden Lichtstrahlen und entnimmt diesen symbolische Bilder. Licht und Schatten, Feuer und Ruß, geben Auskunft über die Zukunft.
In der schwäbisch-alemannischen Fastnacht gibt es die Rußhexe, deren Gesicht mit Ruß geschwärzt ist wie das eines Schornsteinfegers. Am „Rußigen Freitag" oder dem „Schmotzigen Donnerstag" beschwärzen sich die Einwohner des Dorfes auch gegenseitig mit Ruß: Das „Rußeln". Auch die Rußhexe geht um und beschwärzt das Gesicht. Der Ruß ist magisch, er bringt Kunde aus der Ahnen- und Geisterwelt. Der Ruß kann damit als Mittler der Ahnen-Segenskräfte fungieren. Darum bringt es Glück, wenn einem der Kaminkehrer die Nase schwärzt, oder wenn man sich selbst durch eine Berührung an seiner Arbeitskleidung Ruß einfängt.

Der Schornsteinfeger ist der Magier der Ahnen und Geister. Er besitzt die Gabe mit ihnen zu kommunizieren und ihren Segen zu übermitteln. Damit steht der Schornsteinfeger dem Schamanen nahe.

 

 

 

Bild © Stefan Brönnle (Grundlage fotolia)


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