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Der Drache als geomantische Symbolik

25. Dez. 2014 | Von: Stefan Brönnle | Kategorien: Geomantie, Mythen, Symbole | 0 Kommentare

Drachenfigur in der Dämmerung

Eng mit dem Topos der axis mundi — der Weltenachse - verknüpft, ist das Motiv des Drachens oder der Schlange. Drache und Schlange (beide sind im griechischen Wort „drakon“" vereint) waren der Erdmutter, der „Großen Göttin“, geheiligte Tiere. In Tempeln der Göttin wurden oft große Schlangen gehalten. Der Drache repräsentierte den alljährlichen Vegetationszyklus und wurde damit zum Symbol der Wiedergeburt, wie auch die Schlange, die ihre Haut wechselt. So stellte die Sage vom Drachen oft die Urkraft der Erde, den Jahreszeitenzyklus dar.

Erst mit dem Wechsel zum Patriarchat wird die heilige Schlange zur Inkarnation des Bösen. Der Hauptaspekt der Schlange wird deutlich, wenn man sie in der alten Blickweise betrachtet: Im Kundalini-Yoga ist die Schlange Gleichnis der aufsteigenden Urkraft, der Urenergie, die das Leben schuf und auch der Drache als Symbol dos Vegetationszyklus bekräftigt diesen energetischen Aspekt. Tempel wurden dort gebaut, wo die „Wuivre“, die Erdschlange, im Boden weilte. Auch das delphische Orakel lag auf der Pythonschlange. Hier wurde auch der Omphalos, der "Nabel der Welt", mit seiner inhärenten axis mundi errichtet.

Die Nomaden zogen mit dem Erddrachen mit, sie folgten der Spur der „Erdkräfte“. An den Orten, an denen sie haltmachten und heilige Stätten errichteten, existieren bis heute Drachensagen oder Ortsnamen wie Limburg oder Wurmlingen, die auf das drachenartige Tier des Lindwurms verweisen. Vergleicht man derartige Orte auf einer Landkarte, stellt man
oft überrascht fest, dass diese sich auf einer schnurgeraden Linie befinden! Das althochdeutsche Wort für Drache war „track“, es bildet die direkte Beziehung zum englischen Begriff für Pfad/Weg. Offensichtlich bezeichneten die „Drachenlinien“ - zumindest geistige - Wege, die schnurgerade durchs Land liefen (nicht zu verwechseln mit dem spezifischen geomantischen Phänomen „Drachenlinie“. Gemeint ist hier das Alignement mit der Symbolik der Drachenkraft. Dieses kann, muss aber nicht, dem geomantischen Phänomen einer Drachenlinie entsprechen).

Es sind darüber hinaus über derartige gerade Wege eine Fülle von Sagen bekannt, in denen Geister oder Untote auf geraden Wegen zwischen Friedhof und Kirche wandern. Oftmals gar findet man auf Karten Flurnamen, die direkt auf „Totenwege“ verweisen. In Irland heißt es, die Feen würden sich entlang solcher gerader Linien bewegen. Diese in der Geomantie als „Leylines“ bezeichneten „Linien“ können somit als „Wege des Geistes“" betrachtet werden. Ihre Beziehung zum Jenseits und zur Anderswelt wird offensichtlich, wenn man sich „Leylines“ genauer betrachtet: Die „Ley“ bei Knowlton in England kreuzt drei Grabhügel und führt ferner durch die Kirche von Knowlton; eine andere Leyline in Kairo durchquert neben acht Moscheen auch die Grabanlagen von El Muzaffar, Yüssef Bey und Hassan Sadaqa. Alle diese Anlagen befinden sich auf einem schnurgeraden Alignement.




Bild: Drache in Ljubljana © Thinkstock

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