Unsere Pflanzengeister — Die Myrrhe


MyrrheEigentlich ist die Myrrhe ja keine heimische Pflanze, aber die Bedeutung v.a. des zum Räuchern genutzten Harzes ist so groß, dass sie nicht unerwähnt bleiben sollte. Die Stammpflanze wächst in Somalia, Äthiopien, dem Jemen und im Sudan. Myrrhe ist ein 3 m hoher Baum mit kleinen, oft gedrehten Blättern. Geerntet wird der zu einem Harz eingetrocknete Sekretsaft aus Sekretgängen der Rinde.

Nach der griechischen Entstehungslegende war Myrrha eine Königstochter, die sich durch einen Zauber Aphrodites in ihren Vater verliebte und ihn zwölf Nächte lang verführte. Die Liebesnächte blieben nicht ohne Folgen: Myrrha wurde schwanger. Als der König erkannte, wer ihn verführt hatte, wollte er sein Kind töten. Verfolgt von ihrem Vater flüchtete Myrrha und bat die Götter, sie unsichtbar werden zu lassen. So wurde sie in einen Baum verwandelt und ihre Tränen wurden zum Myrrhenharz. Aber nach neun Monaten brach der Baum auf und ihr Kind Adonis wurde geboren. Die Königstochter Myrrha erscheint hier als Ausdruck der Großen Göttin, die vom Himmel (Vater) befruchtet wird und dadurch Schönheit (Adonis) gebiert.

In dieser Geschichte spiegelt sich unter anderem der magische Schutzaspekt der Pflanze wieder. Die antiken Ägypter gebrauchten sie als Mittel, um sich zu wappnen und Unheil abzuwehren. In den unterschiedlichsten Papyri finden sich viele magische Rezepturen mit Myrrhe, die fast alle zum Schutz des Lebens eingesetzt wurden.

Ein zweiter Aspekt der Myrrhe ist ihre transformative Natur. Für die antiken Ägypter war sie gar der Übergang zur Unsterblichkeit. Deshalb war sie fester Bestandteil der Einbalsamierung von Mumien. Ein mit Myrrhe gewürzter Wein wurde auch Jesus bei der Kreuzigung gereicht, zum einen als Narkotikum, zum anderen aber auch, um den Übergang zu erleichtern. Einhundert Pfund Myrrhe sollen Jesus als Grabbeigaben mit ins Grab gelegt worden sein.

Die Myrrhe ist eine der Gaben der >heiligen drei Könige<. Sie schenken Gold, Weihrauch und Myrrhe. Gold ist ein Symbol des Reichtums. Es wird Königen als Tribut dargebracht. Hier steht es für die Körperlichkeit und die irdische Welt. Weihrauch dagegen wird den Göttern dargebracht — ein Symbol für die Göttlichkeit Christi. Myrrhe aber ist ein Symbol der Heilung, der Magie und der Fähigkeit, die Elemente (über die „Quinta Essentia", den Äther) zu beherrschen. Mit Myrrhe wird sozusagen die „schamanische Seite“ Jesu geehrt, er hat die Fähigkeit, Wunder zu vollbringen. Die Myrrhe galt als ein universelles Allheilmittel, mit dem man Körper und Seele heilen konnte. Gold, Weihrauch und Myrrhe stehen hier für die drei Welten Körper, Geist und Seele.

Die Kostbarkeit der Myrrhe ist auch der Grund, einen Myrrhe-Zweig der Braut an ihrem Hochzeitstag zu schenken. Der Myrrhe-Zweig steht für langes Leben, Erfolg und Glück, die man der Braut damit wünscht.

Als Räucherung hat Myrrhe eine starke reinigende Wirkung. Im Gegensatz zum Weihrauch, der stark ins Geistige hinein öffnet, hat die Myrrhe eine stark erdende Wirkung. Sie ist das Yin zum Yang, weshalb Weihrauch und Myrrhe gerne zusammen verräuchert werden. Vor allem in den Raunächten (der "Nicht-Zeit") wird Myrrhe verräuchert, um zu reinigen, zu schützen, aber vor allem auch, um den "offenen Selenraum wieder mit der Erde zu verbinden".

 

Die Myrrhe — Geist des Lebens und der Seelenkraft.

 

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