Lichtmess und Imbolc


Menhir im Schnee bei SonnenaufgangAm 2. Februar erreichen wir im Jahreszyklus eine wichtige Schwelle. Für die Kelten war es die Geburt des Frühlings: Imbolc. Der Feiertag gehörte zu den 4 großen keltischen Festen Beltane (1.Mai), Lughnasadh (1. August), Samhain (1. November) und eben Imbolc (meist 1. Februar). Wir merken, es sind die „Zwischenfeste“, die hier wichtig sind, nicht die Sonnwenden und Äquinoktien. Imbolc nimmt die Mitte zwischen der Wintersonnwende und der Frühjahrs-Tagundnachtgleiche ein. Das Fest wurde auch Oimelc genannt, das erste Milchgeben der Schafe im Frühjahr.

Im irischen Raum reitet die Göttin Brigid (später christianisiert als Heilige Brigid) auf einem Hirsch durch die Landschaft und rüttelt an den Bäumen, um diese aus ihrem Winterschlaf zu erwecken. Man bastelte Strohfiguren als Schutzzeichen und das bekannte Brigid-Kreuz, das einer Swastika ähnlich ist.
Die Tage werden jetzt merklich länger. Im Brauchtum gibt es bis heute den Spruch, der die Ausweitung des Lichtes ab der Wintersonnwende beschreibt:

"Weihnachten um ein' Mückenschritt,
Silvester um ein' Hahnentritt,
Dreikönig um ein' Hirschensprung
und Lichtmess um ein' ganze Stund."

Stark verbunden ist Imbolc natürlich mit der „Lustration“, was so viel wie „hellmachen“ aber auch „reinigen“ bedeutet. Rituell wurden alle Lampen im Haus für kurze Zeit entzündet und Kerzen an die Hausecken gestellt. Der Name Imbolc kommt vom irischen  imb-folc („Rundum-Waschung“) und kennzeichnet es damit als Reinigungsfest. So ist Imbolc ein Lichter- und Reinigungsfest. Diese Bedeutung hat es auch im Christentum erhalten: Am 2. Februar ist Maria Lichtmess, eines der ältesten Feste der christlichen Kirche: Es wurde seit dem 5. Jahrhundert (also noch in einem stark heidnischen Umfeld) gefeiert. Es fanden Lichterumzüge der Kinder statt, Lichterprozessionen und Kerzensegnungen. Bis 1969 hieß das Fest allerdings in der katholischen Kirche „Mariä Reinigung“, was die enge Beziehung von Imbolc und Lichtmess einmal mehr betont.  Aus christlicher Sicht ist Maria Lichtmess 40 Tage nach Weihnachten. Es betont damit die 4er-Symbolik, die mit den 4 Richtungen und damit dem Jahresrad als Ganzem, ja der Materie an sich, verbunden ist.  Tatsächlich endete bis vor gar nicht langer Zeit die „Weihnachtszeit“ erst zu Maria Lichtmess (nicht wie heute zumeist am Dreikönigstag): Weihnachtsbäume wurden abgeschmückt und Krippen abgebaut.

In USA und Kanada wird dieser Tag „Groundhog Day“ genannt, auf ihn bezieht sich der bekannte Film „Und ewig grüßt das Murmeltier“. Auch hier ist der 2. Februar ein magischer Tag der Nichtzeit, der nie endet. So waren Zukunftsschau und Wetterprognosen an Imbolc/Lichtmess fester Bestandteil des bäuerlichen Brauchtums:
"Wenn es an Lichtmess stürmt und schneit, ist der Frühling nicht mehr weit."

Holt man die Qualität des Tages in das heutige Bewusstsein, so sollte das Licht im Ritual eine ebenso große Rolle spielen wie die Reinigung. Folgende Pflanzen wurden gerne an diesem Tag verräuchert und können auch in neuen Ritualen mit ihrer reinigenden und lichtbringenden Kraft ein Imbolc-Ritual unterstützen: Engelwurz, Wacholder, Beifuß, Weihrauch, Bernstein.

 

Foto: Vorlage: fotolia


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