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Innere und äußere Wirklichkeit: Schamanismus in der modernen Kultur

08. Mai 2015 | Von: Stefan Brönnle | Kategorien: Schamanismus, Wesen, Wahrnehmung | 0 Kommentare

Schamane bläst rauch, in dem ein Drache erkennbar ist

Wir leben in einer Kultur, in der – wie Descartes es forderte – der „Natur die Geister ausgetrieben“ worden sind. Die Welt scheint rational, sachlich und damit kühl und unnahbar geworden zu sein. Gleichzeitig – oder vielleicht gerade dadurch (?) – nimmt die Zahl der geistig-seelischen Erkrankungen drastisch zu, so z.B. nach Angaben der AOK zwischen 1980 und 1998 (18 Jahre) um 111%! Wobei sich der Effekt zu beschleunigen scheint: In den letzten 7 Jahren (also knapp in der Hälfte der Zeit der AOK –Studie) gar um mehr als 97 Prozent. Während die Ratio andere Wirklichkeiten außer der physisch präsenten Realität ablehnt, sehnt sich die Seele danach.

Noch zu Beginn des 20.Jahrhundert galt der Schamane als latent oder gar akut „geistesgestört“, heute erkennen wir mehr und mehr, dass nicht der Schamane, sondern unsere Kultur seelisch krank ist. Bereits 1980 wurde dem Schamanismus von der WHO bei der Behandlung von psychosomatischen Erkrankungen dieselbe Bedeutung zuerkannt wie der westlichen Medizin. Archetypen und inneren Persönlichkeitsanteilen, denen in der Psychologie eine innere Wirklichkeit zuerkannt wird, werden im Schamanismus (so man diesen überhaupt vereinheitlichen kann, denn er ist sehr kulturspezifisch) veräußerlicht. Sie stellen also zum Teil auch unabhängig von der menschlichen Psyche existente geistige Entitäten – „Wesenheiten“ – dar. In einer Betrachtung, die nicht wie unsere westliche Kultur eine strikte Trennlinie zwischen innerer und äußerer Wirklichkeit zieht, ist der Unterschied freilich marginal.

Dabei stellen solche geistigen Wesen im Schamanismus nicht nur Ursachen für Krankheiten dar, sie treten auch als Helfer und Ratgeber auf. Wiederum stark vereinfacht werden im schamanischen Weltbild 6 verschiedene Kategorien von Geistwesen erkennbar:

  • Krankheitsgeister: Insbesondere schwere Krankheiten werden im schamanischen Denken ursächlich in sehr speziellen Krankheitsgeistern gesehen. Der Schamane muss sie erkennen und mit ihnen umzugehen wissen
  • Tiergeister: Vor allem der >Herr< oder >die Herrin der Tiere< sind insbesondere in jagenden Kulturen wichtige Verhandlungspartner und Ratgeber. Grundsätzlich gehören sie mit die Kategorie der Naturgeister und treten in der Regel auch in Tiergestalt auf wie z.B. im sibirischen Raum häufig in Gestalt des Bären oder der Bärin.
  • Naturgeister: Mit den Naturgeistern kommuniziert der Schamane im Wesentlichen, wenn die Harmonie zwischen Mensch und Umwelt gestört ist und sich dies z.B. über Naturkatastrophen und langanhaltende schlechte Klima- und Wetterbedingungen Gehör verschafft. Hier ist es Aufgabe des Schamanen, die Ursachen z.B. im menschlichen Fehlverhalten zu finden und Maßnahmen zu eruieren, die zur Versöhnung finden können.
  • Ahnengeister: Sie entstammen der menschlichen Inkarnationslinie. Eine typische Kommunikation mit den Ahnengeistern stellt heute in psychologisierter Form das Familienstellen nach Hellinger dar, bei der Stellvertreter die verschiedenen Ahnengeister quasi inkorporieren und durch Identifikation kommunizieren lassen können.
  • Hilfsgeister: Vor allem bei Jenseitsreisen ist in den meisten schamanischen Kulturen eine Zusammenarbeit mit Hilfsgeistern unerlässlich. Meist kommen Sie aus dem Bereich der Naturgeister. Aber auch Ahnengeister können als Helferwesen dem Schamanen bei seiner Arbeit unterstützen. Meist hegt der Schamane ein inniges freundschaftliches Verhältnis mit „seinen“ Hilfsgeistern, zeugt ihnen hohen Respekt und dankt ihnen durch Opfergaben und rituelle Gesten.
  • Schutzgeister: Schutzgeister können im Schamanismus Ostasiens gar die Kategorie einer Gottheit einnehmen. Im indianischen Schamanismus Nordamerikas kann z.B. die Erde selbst als göttliches Wesen als höchster Schutzgeist auftreten. Dementsprechend unterschiedlich ist auch der Umgang mit ihnen. Oft ist der Schutzgeist identisch mit dem Totem des Schamanen, mit dem er bereits seit seiner Geburt verbunden ist, was manchmal bis hin zu einer Doppelnatur der Psyche des Schamanen geht. Psychologisch können wir im Schutzgeist daher auch eine Schutzfunktion der eigenen Psyche sehen, die seine Seele vor Überlastungen und Übernahme bewahrt.

Levi-Strauss (1967) nennt die Psychoanalyse die moderne Form der schamanischen Technik. In der Tat können wesentliche Elemente einer schamanischen Arbeit auch in der Psychotherapie wiedererkannt werden wie z.B.: Übertragung (Projektion), Identifikation, rituelle Gesten und Sätze (Aphorismen), Bewusstmachung der Zusammenhänge von innerer Haltung und Krankheit u.v.m. Nicht zuletzt führen sowohl die Beschäftigung mit dem Schamanismus, als auch mit der Psychoanalyse zu einer „vergrößerten Kontaktfläche zwischen Bewußtsein und Unbewußtem“ [Prof. Dr. Christian Scharfetter].

Allein die Öffnung des Menschen hin zu anderen Wirklichkeiten, das Zulassen der Existenz anderer Wirklichkeitsebenen außer der physischen, ist somit bereits für den einzelnen Menschen wie unsere Kultur als ganzer heilsam, da nicht-rationale, bzw. rational nicht erklärbare Erfahrungen, die hundertfach in unserem Alltag präsent sind, nicht unterdrückt werden, sondern offen er- und gelebt werden können.

Die Veräußerlichung innerseelischer Prozesse, Teilaspekte unserer Psyche u.a. in erfahrbaren Geistwesen, wird so zu einem heilsamen Weg, da wir ähnliche Mechanismen wie in der zwischenmenschlichen Kommunikation zum Einsatz bringen können. Ob es sich „nur“ um seelische Archetypen oder „tatsächlich“ um Geistwesen handelt, wird angesichts der unglaublichen Authentizität des erlebten Ereignisses eines Kontaktes zur (beinahe unerheblichen) philosophischen Frage. Die Wirkung eines solchen Zwiegesprächs mit den eigenen Schutz- und Helfergeistern hat auf jeden Fall innerseelische UND soziale Auswirkungen und wirkt damit innen und außen gleichermaßen.

Tipp:

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Bild © Stefan Brönnle [Grundlage-Bilder: Thinkstock]

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